„Als Führungskraft hat man 12 Stunden täglich zu arbeiten!“

Thorsten Füllmann TFCC GmbH

…oder etwa nicht?!

In der besinnlichen Vorweihnachtszeit scheint das Thema „Zeit“ ein sehr gefragtes Thema zu sein. Anders kann ich es mir nicht erklären, dass erst ein Lebensmitteldiscounter und nun eine weitere Lebensmittel-Einzelhandelskette eine Werbekampagne zum Thema „Zeit schenken“ startet. Zugegebenermaßen bleiben beide „hängen“ und scheinen den Befragten aus der Seele zu sprechen.

Aus diesem Grund zitiere ich eine Führungskraft, in dem Fall einen Volldirektor aus der Dienstleistungsbranche, der im Rahmen einer Sitzung, wo es unter anderem um das Thema „Work-Life-Balance“ ging, mit den Worten:

„Als Führungskraft hat man 12 Stunden täglich zu arbeiten! Deshalb ist man ja schließlich Chef. Das erwarten die Mitarbeiter und ohne diese Zeit ist die Arbeit gar nicht machbar!“

Interessant ist die Tatsache, dass es zu diesem Zeitpunkt einen erstens sehr hohen Krankheitsstand im Unternehmen gab, der sowohl von kurzzeitig Erkrankten, als auch von Langzeitkranken geprägt war. Und zum anderen eine eher mäßige Mitarbeiterzufriedenheit ermittelt wurde. Dem Vorgesetzten dieser Gruppe an Führungskräften war es wichtig, diese Themen anzusprechen und ein Umdenken anzuregen, um primär Krankheitsstände zu senken.

Einige der Führungskollegen gaben sich allerdings ratlos und erklärten, dass sie gar nicht wüssten, was sie in 12 Stunden täglicher Büroarbeit überhaupt machen sollten. Einige andere jedoch gaben dem „12-Stunden-Kollegen“ Recht und verwiesen auf Zeit im Homeoffice bis in die späten Abendstunden.

Spannend war die Analyse, was den Unterschied der täglichen Arbeit ausmachen würde, denn es gab auch Kollegen, die arbeiteten kaum mehr als 40 Stunden pro Woche und waren „trotzdem“ sehr erfolgreich.

Der Unterschied war schnell gefunden und wurde heiß zwischen den Kollegen diskutiert: Controlling! Jeder Vorgang, jeder Kontakt, jeder Termin, jeder Abschluß, jede Liste wurde von den „hart arbeitenden“ Kollegen kontrolliert. Führung bestand aus Kontrolle. Zahlen, Daten, Fakten! So einfach.

Waren diese Teams erfolgreicher und zufriedener? Nein, die Mitarbeiter fühlten sich bestenfalls eingeengt. Mit „bestenfalls“ meine ich nicht die Tatsache des Einengens, sondern die Tatsache, dass die Mitarbeiter sich eine Veränderung wünschten und direkt oder indirekt um Entfaltung baten. Im schlimmeren Fall hatten die Mitarbeiter sich mit der Situation abgefunden. So sagte einer der Kollegen im Vertrauen zu mir: „Die ganze Kontrolle hat auch was für sich: So bin es wenigstens nicht ich, der Fehler macht. Ausserdem brauche ich mir keine Gedanken über Geschäftsideen machen. Ich mach einfach meinen Job, das Ergebnis interessiert mich relativ wenig.“

Diese Einstellung zum Erfolg, zur Entwicklung, zur Vision ist Gift für das Unternehmen. Die Einstellung dieser Führungskräfte schädigt die eigene Gesundheit, die Zufriedenheit der Mitarbeiter und die Entwicklung und damit den Erfolg des Unternehmens.

Wir haben uns im Anschluß stark mit Führungsbedürftigkeiten, Führungsstilen und der Denkstilanalyse auseinandergesetzt. Der klassische Unterschied zwischen den 12-Stunden-Direktoren und den 8-Stunden-Direktoren lag in den „Denkstilen“: Die grundsätzlich eher visionär denkende Führungskräfte gaben von Begin der Führungsaufgabe den Mitarbeitern mehr Verantwortung, delegierten mehr und forderten mehr unternehmerisches Denken und Handeln ein. Dafür wurde allerdings die eine oder andere lästige Kontrollaufgabe schon mal „vergessen“. Die Verantwortung war auf viele Schultern verteilt. Die gegenteilig nur auf Zahlen, Daten & Fakten fokussierten Analysten konnten diesen Freiraum der Mitarbeiter nicht nachvollziehen und stellten sich und der Gruppe oft die Frage, was passieren würde, wenn der Mitarbeiter die Kompetenzen mißbrauchen würde.

Beide oberflächlich plakatierte Denkstile sind weder richtig, noch falsch. Jede hat ihre Vorteile und Nachteile. Jeder kann von den anderen Lernen und über den Tellerrand hinausblicken. Aufgabe jeder Führungskraft muss es jedoch sein, sich den unterschiedlichen Denkstilen bewusst zu sein, diese erkennen zu können und einsetzen zu können. Erfolgreich führen hat was mit situativer Führung und vor allem mit „auf den Mitarbeiter angepassten“ Führung zu tun. Die Führungsnotwendigkeit jedes Teammitgliedes ist unterschiedlich.

Zurück zum Thema Zeit:

Mir ist wichtig: Die Gesellschaft sollte weg von „WOW, der arbeitet 12 Stunden am Tag, der muss erfolgreich sein und unendlich viel Verantwortung haben“!

Hochachtung vor denen, die mit ihren Stunden auskommen, tolle Stimmung im Team haben und dabei Hochleistungsteams führen. Diese Führungskräfte sind erfolgreich und haben Zeit für ihre Familie, ihre Hobbies und Dingen, die ihnen sonst noch wichtig sind. Zu solchen Führungskräften sollten wir entwickeln…

Beste Grüße

Thorsten Füllmann

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