Fremdwort-Posing: „Hochmut oder Basic im Geschäftsalltag?“

Fremdwörter dienen dazu, sachlich, kurz und präzise zu beschreiben und störende Wiederholungen zu vermeiden. Gut und schön, solange die Gesprächspartner auf Augenhöhe reden und sich gegenseitig verstehen.

Fragwürdig wird es unserer Meinung nach, wenn die Fachwörter vom gegenüber nicht verstanden werden. Noch fragwürdiger allerdings, wenn der „Fremdwort-Poser“ davon ausgehen muss, dass der gegenüber das Gesagte gar nicht verstehen kann…

Was meinen wir damit? Im ärztlichen Rahmen ist die Benutzung von Fachwörtern, die der Patient nicht versteht, schon „normal“. Aber wie sieht es im Dienstleistungsbereich aus? Nehmen wir das Bankenwesen als Beispiel: Gut ausgebildete junge Vertriebler nutzen in ihren Kundengesprächen die gesamte Palette an Fachbegriffen:

Oma Lieschen wird davon überzeugt, dass jetzt aufgrund der günstigen Kurs-Gewinn-Verhältnisse der perfekte Einstieg in globale Aktienfonds mit hoher Diversifikation in unterschiedliche Peer-Groups sinnvoll ist…

Upps,… Oma Lieschen blickt verzweifelt zur Tür und gibt zu Protokoll: „Das muss ich mir nochmal überlegen…“ Unser junger dynamischer Berater versteht die Welt nicht mehr und Oma hat die nächste Zeit genug von Bank(en).

In erlebten „Meetings“, „jour fix´s“ & „Kompetenzrunden“ finden wir zu häufig eine extreme Ansammlung von Fremdwörtern zu jedem Anlaß vor. Selten gerechtfertigt, meistens „Posing“. Warum? Weil viele Menschen glauben, mit der Benutzung von Fremdwörtern intelligenter und professioneller zu wirken. Die Aussenwirkung stellt oftmals eine entscheidende Rolle da, denn schließlich hört der Chef ja auch zu. Und wenn die Thesen des Boss verfeinert werden durch Fremdwort-Posing, dann könnte sich das doch positiv auf die Karriere auswirken, oder?

Am Ende des langen Tages bleibt dann bei allen Teilnehmern wieder die Ernüchterung: Der Chef bemängelt, dass keine neuen Ideen und Konzepte entstanden sind; die Mitarbeiter verlassen die Runde ohne neue Erkenntnisse und sind sich einig, dass Sitzungen sowieso nur Zeitvertreib sind.

Was ist die Lösung? Empathie & Einfachheit! Mit Empathie erkenne ich schnell, ob mein Gesprächsteilnehmer noch auf der gleichen Frequenz ist, wie ich oder ich ihn verloren habe.

Einfachheit (nicht Primitivität ;-)) oder auch Schlichtheit in der Wortwahl erreicht, dass mein Gegenüber auch versteht, was ich sage und vor allem was ich damit meine.

Als Coach brauche ich kein Glossar von 180 Fachwörtern, die „im Rahmen des Coachings vorkommen können“. Im Austausch zwischen Coaches vielleicht ein Paar davon; im Gespräch mit Klienten gar nicht.

Kennen wir unseren gegenüber nicht oder können wir davon ausgehen, dass er nicht über das gleiche Fachwissen des Gesprächsthemas verfügt, so sollten wir das Gespräch so führen, als würden wir mit einem 15-jährigen Jungen sprechen.

Fazit: Posing ja, aber nur unter Gleichen, wenn es dem Austausch von Informationen dient. Kunden, Klienten, Mandanten & Patienten haben einen Anspruch darauf, dass das gesprochene Wort auch verstanden wird.

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